Wenn der Mond, wenn der Mond

Es zittert dumpf zwölfmal der Turmuhr Klang,
Wind, der pfeift, die Nebel wehn!
Das Auto saust im Hui die Straßen lang,
aber nur für Taxe zehn!
Den Josef liebte seine Potiphar!
Chauffeur! So fahren Sie in eine Bar!
Na-nu! Na-nu!
Da ist doch alles zu!
Das kann nicht sein, das ist doch gar zu dumm!
Na, Kinder, gehn wir einfach hintenrum!

Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
dann geh ich rauf und runter,
wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
werd ich erst richtig munter!
Der Schatten liegt auf Mann und Frau
ganz dunkelblau, ganz dunkelblau!
Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond,
wenn der Mond,
wenn der Mond, wenn der Mond vom Himmel lacht,
bei der Nacht, bei der Nacht, bei der Nacht!

Gar manchen Menschen schlägt der Mond aufs Hirn,
so zum Beispiel auch Herrn Krause!
Steigt auf zum dunklen Himmel
das Gestirn, ja, dann muß er aus dem Hause.
Und mitten in der Mondgespensternacht
Herr Krause plötzlich auf das Fenster macht!
Na-nu! Na-nu!
Da steht er ohne Schuh!
Er klettert auf dem Dach. O frühes Grab!
Und staubt da seine Hypotheken ab?
Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
dann steigt er rauf und runter,
wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
wird der erst richtig munter!
Es strahlt im Licht ein Hinterbau,
ganz dunkelblau, ganz dunkelblau!
Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond,
wenn der Mond,
wenn der Mond, wenn der Mond vom Himmel lacht,
bei der Nacht, bei der Nacht, bei der Nacht!

Die Plätze liegen leer, man schuftet nicht,
jeder Mann hat Ruh und Ferien!
Nur in der Wilhelmstraße brennt noch Licht
in den deutschen Ministerien.
Was man am Tage demokratisch macht,
wird leise umgewandelt in der Nacht!
Na-nu! Na-nu!
Herr Eben möcht sei Ruh!
Die rote Mütze, die Germania trägt,
sie nächtens gerne rechts vom Bette legt!
Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
dann geh da rauf und runter,
wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
werd’n die erst richtig munter!
Es bleibt das Blut im deutschen Bau ganz
dunkelblau, ganz dunkelblau!
Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond,
wenn der Mond,
wenn der Mond, wenn der Mond vom Himmel lacht,
bei der Nacht, bei der Nacht, bei der Nacht!

Es bringt die Nacht, das ist nun einmal so,
die Erotik oft in Rage!
Frau Venus zeigt sich gerne dos à dos,
an der Ecke der Passage!
Du siehst daselbst kein süßes Mädchending,
nur Jüngeling siehst du an Jüngeling!
Na-nu! Na-nu!
»Ach, liebst du mich, Joujou?«
Doch mitten in der Liebe spricht das Biest:
Dir laß ick hochgehn, eh du dir versiehst!
Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
dann gehn die rauf und runter,
wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
werd’n die erst richtig munter!
Umrändert strahlt manch Auge flau,
ganz dunkelblau, ganz dunkelblau!
Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond,
wenn der Mond,
wenn der Mond, wenn der Mond vom Himmel lacht,
bei der Nacht, bei der Nacht, bei der Nacht!

In seiner Wohnung schläft Herr Helfferich,
leicht gesträubt sind seine Haare!
Denn grade träumt er schwer und fühlet sich
als Untersuchungsausschußware!
Da plötzlich schlägt ein Ständchen an sein Ohr,
er hört im Garten einen Sängerchor!
Na-nu! Na-nu!
Wer stört da Karlchens Ruh?
‘s steht auf der Hitzigstraße, ei, wie nett!
ein nationales Huldigungsquartett!
Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
dann sing’n sie rauf und runter,
wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
werd’n die erst richtig munter!
Ein kleiner Hund bellt leis: Wau, wau!
Die sind ja alle mächtig blau!
Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond,
wenn der Mond,
wenn der Mond, wenn der Mond vom Himmel lacht,
bei der Nacht, bei der Nacht, bei der Nacht!

Es schnarcht der Detektiv. Die Hähne schrein.
Und die Nacht ist tief und kalt!
Klamottenede bricht bei Meiers ein,
horch! der dicke Geldschrank knallt!
Die Blendlaterne blinkt, Herr Ede schwitzt,
bis ihm die Mütze tief im Nacken sitzt!
Na-nu! Na-nu
Ist das ein Erzfilou!
Da liegt ein Zettel: »Sie! Ich habe bereits
mein ganzes Geld seit gestern in der Schweiz!«
Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
dann geht er rauf und runter,
wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond
scheint schön,
wird er erst richtig munter!
Die Lappen zählt er sehr genau,
ganz dunkelblau, ganz dunkelblau!
Wenn der Mond, wenn der Mond, wenn der Mond,
wenn der Mond,
wenn der Mond, wenn der Mond vom Himmel lacht,
bei der Nacht, bei der Nacht, bei der Nacht!

Unter dem Pseudonym Theobald Tiger im Jahr 1920

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