Sehnsucht nach der Bakerstreet

Der Kriminalroman ist dahin. Wir haben jetzt Kriminalfilme, und Kriminalschauspiele waren schon immer da. Aber der gute alte Holmes zieht nicht mehr. Und er fehlt uns, ach, so sehr.
Brüder in Apoll! Sagt doch ehrlich: saßet ihr nicht gleich mir vor Gemütlichkeit zusammenschaudernd in der Bakerstreet beim Holmes, wo alsbald durch das Unwetter das Rollen einer Droschke hörbar wurde oder der Klingelzug eines Hilfsbedürftigen? »Watson«, sagte Holmes dann jedesmal, »wenn mich nicht alles täuscht, so kommt dort ein junger lungenkranker Matrose vom dritten Regiment in Davonshire und hat uns etwas zu sagen.« Und richtig – er kam.
Ihr wißt alle, wie es weiterging. Der ›Fall‹; die Vorgeschichte, die langsam heraussickerte; die ersten Anzeichen der Entdeckung – war es nicht schön, wenn Holmes morgens zum Frühstück nicht erschien, sondern uns erst gegen elf Uhr in einem Matrosenanzug erschreckte, aber dafür auch einen kleinen Pfeifenstummel gefunden hatte, der seinesgleichen suchte?
Es war schön.
Auch das hat nun der Film gemordet. Da sehen die Wohnungen der Detektive immer anders aus; wir kommen nicht dazu, uns auch nur in einer wohlzufühlen. Bei Holmes kannten wir jedes Eckchen, wußten, dass er es liebte, ein wenig unordentlich zu sein, und kannten seine gefährliche Kokainleidenschaft.
Dahin, dahin. Und statt abends bei der Bettlampe den anspruchslosen Sherlock zu lesen, der bereits anfing, Tradition anzunehmen, muß ich mich mit prätentiösem Kitsch abplagen, der mir noch einreden will, er sei etwas – mit … Aber ich sehe keinen an.

Unter dem Pseudonym Peter Panter im Jahr 1913

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