Schlußwort (Militaria)

Ich denke, dass es mir mit dem Stabsoffizier so geht wie allen Polemikern bei allen Polemiken: wir reden aneinander vorbei. Wir sprechen nicht dieselbe Sprache. Entscheidet euch.
Die Tapferkeit des Frontoffiziers ist von mir nie bestritten, sondern ausdrücklich bestätigt worden. Sein Tod scheint mir das natürliche Ende einer selbstgewählten Laufbahn, aber kein Argument zu sein. Mein verehrter Gegner gibt zu, dass das deutsche Offizierkorps zu verfallen begann, dass es Aussätzige nicht herausgesetzt hat, dass es langsam anfaulte. Mehr ist hier nicht behauptet worden. Vielleicht noch eine Kleinigkeit: dass diese ganze Welt überlebt, mehr: schlecht war.
Natürlich gab es anständige und gute Offiziere. (Es gab auch anständige Helferinnen.) Mit der Front und der Etappe hat das Ganze nichts zu tun. Ich habe hier schon auseinandergesetzt: Der Etappenoffizier war nichts als ein deutscher Offizier in gehobener Lebenslage. Und da hat er versagt. (So wie er vorne nicht versagt hat.) Aber was hätten wir nun erlebt, wenn dieses ganze Korps in die große Heimatetappe siegreich zurückgekehrt wäre? Man hätte doch wohl auswandern müssen.
Der Kampf gilt nicht den Kriegsoffizieren. Die sind dahin. Er gilt der Weltanschauung, mit der sie das Volk vergiftet haben und noch vergiften. Der Anschauung, dass Titel und Beförderungen den Menschen ausmachen; dass außerhalb des Dienstes die dienstlichen Unterschiede fortgelten; dass nicht der Mann zum Mann, der Deutsche zum Deutschen stehe, sondern der Herr zum Kerl. Der Kampf gilt der verrotteten Anschauung, dass man das Selbstgefühl des Deutschen nur stärken könne, wenn man ihm die Erlaubnis gibt, andre Deutsche zu treten – dass man ihn darin bestärkt, seine Arbeit nur dann zu tun, wenn er die Möglichkeit hat, sich und seinen Dienst sinnlos überschätzen zu lassen und durch Überbetonung seiner Existenz andern Leuten, Landsleuten, Schwierigkeiten zu machen. Die falsche Gehobenheit des Mannes vor der Front (der seinerseits wieder vor den Vorgesetzten zusammenklappte) spiegelt sich in jedem Schalterbeamten, in jedem Büropolizisten, in jedem Kanzleimenschen. Es sind Offiziere in derber Karikatur. Zu beschuldigen sind die Urbilder. Zu bekämpfen sind die Urbilder.
Es gab einen traditionell in der deutschen Armee der letzten Jahrzehnte feststehenden Offizierstyp. Seine Weltanschauung, sein Horizont, seine Ethik, seine Stellung im Volkstum – das Leben begänne, wieder lebenswert zu werden, wenn das alles für immer ausgespielt hätte.

Unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel im Jahr 1920