Ohne Zensur

Ich wünsche dem deutschen Rundfunk vor allem etwas, das die Presse längst, er aber nicht hat: Freiheit von jeder Zensur.
Was die Ministerialräte dazu sagen, gehört auf dasselbe Blatt wie die vormärzlichen Bedenken gegen die gesetzliche Pressefreiheit : »Da ginge ja alles drunter und drüber! – Unmöglich! – Politische, hochpolitische Gründe verbieten … « Das ist Schnick-Schnack. Das Strafgesetzbuch reicht völlig aus, um etwaige Entgleisungen strafrechtlicher Natur im Rundfunk zu sühnen – eine hochnotpeinliche Zensur aber hat nichts in ihm zu suchen. Sie behindert seine Entwicklung, wie jeder Rundfunkkritiker täglich feststellen kann.
Der Rundfunk ist nicht eine homogene Sache, wie man uns weismachen will: Wird er technisch vollendeter sein, und wird er frei von der Zensur, so gibt es nicht umsonst hundert Wellen, die zur Verfügung stehen – so, wie es Zeitungen für die breite Masse, Fachzeitschriften, kleine Blätter für intellektuelle Gruppen und große Bilderbuchblätter gibt, so sollte es vielerlei Arten von Rundfunk geben. Und alle ohne Zensur.
Der Rundfunk befindet sich heute noch in einer Etappe, in der einst die ersten Eisenbahnen dahinkrochen: umhegt und eingeengt von einer übervorsichtigen Behörde, die vor nichts so viel Angst hat wie vor dem politischen Fortschritt.

Unter dem Pseudonym Peter Panter im Jahr 1928

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