“Natürlich: Der Einjährige-!”

rief der Herr Hauptmann, als der Blitz in seine Marschkolonne schlug und ein Soldat getroffen umfiel … Dieses Spiel wollen wir aber nun nicht mehr sehen.
Wenn irgendein Mann wegen, sagen wir, Sittlichkeitsverbrechens verurteilt wird, so ist hundert gegen eins zu wetten, dass dieser Mann auch irgendeinem Verband, einem Verein, einer Gruppe angehört hat. Hundert zu Null ist aber zu tippen, dass die Gegner dieser Gruppe den Sittlichkeitsverbrecher der Gruppe und ihren Ideen aufs Konto setzen, und das ist eine dumme Infamie, die man immer, ganz gleich, wo sie sich ereignet, zurückweisen sollte.
Kürzlich haben sich die Juden und die Stahlhelmer so einen Verbrecher wie einen Ball gegenseitig zugeworfen, keiner wollte ihn, und es war ein hübsches Tennis der Moral. » … auch nicht im entferntesten jüdischer Abstammung … « – »jüdisches Verbrechen abnormen Ausmaßes … « – »Stahlhelmführer … «
Wahr ist vielmehr:
Einen Mann, der sich gegen die Gesellschaft außerhalb des Gruppenlebens, das er führt, vergeht, darf man nur dann der Gruppe ankreiden, wenn die Gruppe diese gemeinschädliche Tätigkeit gewußt, geduldet, unterstützt hat. In allen andern Fällen ist der Vorwurf Heuchelei, Lüge und ein schlechter Kniff im politischen Kampf. Selbstverständlich gibt es unter den Postbeamten ganz Deutschlands, unter den Schriftstellern, unter den Maurermeistern Menschen, die sich einmal einer schweren Körperverletzung schuldig gemacht haben – was besagt das gegen ihren Stand? Was besagt es gegen die Partei, der sie angehören? Nichts besagt es.
Ganz etwas andres ist es, wenn die Gruppe die Untat kennt und sie aus jenem falsch verstandenen Gemeinsamkeitsgefühl und aus »Ehre« deckt. Dann siehts schon ernster aus. Und nichts hat mit meinem Tadel das Verbrechen zu tun, das einer in der Gruppe und durch die Gruppe begeht.
Daher soll man die Gruppe niemals nach dem ersten Mann werten, sondern immer nach dem letzten, nach dem, den sie grade noch erträgt.
Die Richter also nach den Leuten, die den Jakubowski dem Beil ausgeliefert haben. Wehrt sich die Standesvertretung dagegen, dass diese noch richten dürfen? Also.
Im übrigen aber unterlasse man das kindliche Spiel, Sittlichkeitsverbrecher, Kinderschänder, Diebe und Defraudanten »natürlich« als Stahlhelmleute, Kommunisten, Juden und Jungdomitglieder anzuprangern. Wenn der Mörder Hein Briefmarken gesammelt hätte, so könnte einer kommen und den Philatelisten aber ordentlich einen auswischen. Alle Gruppen sind halb so wichtig, wie sie und ihre Feinde glauben.

Unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel im Jahr 1928

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