Nach einer Nacht

Wie sieht die Welt heut freundlich aus!
Du lachst vergnügt am Spiegel
und kratzt dir etwas Rouge heraus
aus dem Pomadentiegel.
Ich lieg noch auf dem Tigerfell.
Und alles ist so hell, so hell.

Die Morgenzeitung. Während du
mir sagst: “Du Dummer! Dummer!”
les ich vom neusten deutschen Clou,
vom Krach der Baltikumer.
Herr Winnig schützt noch die Bagasche.
Ach! laßt mich allesamt zufrieden!

Das Sonnenlicht scheint abgeblaßt.
Du bastelst schwer geschäftig.
Was du da so zu schuften hast!
Jetzt planscht du, aber kräftig.
Das Zeitungspodium betritt
Herr Noske als ein Kesselschmied.

Gefangenenfrage und der Papst,
die Kleiderlausverbreitung –
was du mir liehst, was du mir gabst,
frißt gierig meine Zeitung.
Ein Nachhall zittert und verklingt…
Die Stimmung sinkt, die Stimmung sinkt.

Die Mark in Holland steht neun Cent.
Wie ist Germania billig!
Doch findet jeder Leutnantsgent
noch heut das Mädchen willig.
Und les ich nun voll Kümmernis
auch noch vom Zentrumskompromiß -:
dann fall ich leise vons Gerüst.
Wir haben ganz umsonst geküßt.