Jagow vorm Reichsgericht

Wer hier in Deutschland etwas Protektion hat,
dem wird kein Sträflings-Kahlkopf je rasiert.
Paß auf: man läßt ihm einundzwanzig Monat,
damit er den Justizschwank gut probiert.
Der Kommunisten Posten, Wasserträger
sperrt man am liebsten vorm Delikte ein;
die Toller-Leute leben wie die Neger…
Ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein –!

Das klönt von Bolschewismus, der nicht da war,
das hat auf Ebert den Patrizierzorn;
wenn da nur Drahtverhau und viel Hurra war:
sie in Büros – und die Soldaten vorn.
Auch Ludendorff – bei welchem Reinfall darf der fehlen! –
ergänzt den Männerbund der frumben Seelen;
und heute kannst du im Berichte lesen:
Wie Lausejungen – keiner ists gewesen.
Nicht mal zum Lügen hat das viel Talent!
Und sowas war Regierungspräsident!

Was da verhandelt wird, ist ganz belanglos.
Sie hatten so viel Zeit – die armen drei!
Sie konnten eindreiviertel Jahre zwanglos
vertuschen – denn sie waren frei.
Wenn von der kleinsten Nutte sie was munkeln,
dann sperrt man Nutte, Louis, Kundschaft ein:
es könnte sonst den Tatbestand verdunkeln –
das muß beim Kapp-Putsch wohl nicht nötig sein.

Und keiner traut sich, Ludendorff zu fassen,
und Lüttwitz nicht und Kapp und Traub – die Massen,
sie bleiben frei.
Nachtwächterstaat –!
Du säst dir eine schwarz-weiß-rote Saat!
Und die geht auf.
Sie höhnen dich mit Recht.
Du bist durchaus von zwittrigem Geschlecht!
Der Leviné ist tot. Und Jagow meckert.
Du hast dich stets nur links mit Blut bekleckert –
die wirklichen Verbrecher henkst du nicht…
Was Leipzig! Kinderspiel und Reichsgericht!
Wir haben feste Monarchistenreihn –
und dann im Reichstag den Gesangverein.
Und so viel kluge Männer in der Politik.
Zufällig keinen Rex.
Und keine Republik.

Unter dem Pseudonym Theobald Tiger Im Jahr 1921

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