Ich als Reklamefachmann

»Beherrschen Sie Ihre Kundschaft?« Ich beherrsche meine Kundschaft gar nicht, und der deutsche Werbeunterricht J. Iversen, Füssen in Bayern, schickte mir einen Prospekt und Hefte, aus denen ich lernen sollte, wie man seine Kundschaft beherrscht.
Ich habe nie so recht gewußt, was die Münchner Bevölkerung unter der Herrschaft des blutdürstigen Eisner gelitten und getan hat. Jetzt weiß ich es. Herr Iversen hat den deutschen Werbeunterricht erfunden – »den ich in seinen Grundzügen im April 1919 während der Räterepublik in München ausarbeitete, täglich der Verhaftung durch das damals herrschende Heldengesindel gewärtig«. Wie gut, dass sie ihn nicht verhaftet haben! Denn ohne ihn wüßten wir nicht, wie wir Reklame zu machen hätten. Zum Beispiel so:
»Aufgabe 23. Machen Sie ein möglichst vollständiges Verzeichnis solcher Eigenschaften und Stichworte über eine Ware, die Sie kennen, bzw. auf einem Gebiete, welches Sie voll beherrschen. Dieses Verzeichnis ist sehr wertvoll und sollte möglichst vervollständigt werden, denn es dient dazu, die Anzeigen gewissermaßen auszupolstern, sie so zu gestalten, dass sie auf die Phantasie wirken.« Dazu hat Herr Iversen eine Schlagworttabelle abgedruckt mit vielen anpreisenden Bezeichnungen für Tabak, Zigarren, Tinte, Gemüsepflanzen und Möbel. Ich habe gelernt. Jetzt gehts los.

Politik
Feinste Mischung
Statt tägliches Brot
Saubere reine Züge
Aus feinsten Fetten
Tiefschwarz
Alles auf Nut und Feder gearbeitet

Literatur
Luxuspackung
Bei Damen beliebt
Nach antiken Vorbildern
Knallende Farbenpracht
Zart wie Spargel
Für Vielschreiber

Theater
Überfettet
Weiche Rundungen
Auf der Zunge zerfließend
Nicht an Kleinigkeiten gespart
Ungeahnte Farbenpracht
Mit Liebe gearbeitet

Das Leben
Havanna braun

Wenn ich so weitermache, werde ich schon nach kurzer Zeit in der Lage sein, Herrn Iversen, Füssen in Bayern, ein schönes Anerkennungsschreiben zu schicken:
»Ich lese die Hefte, die ich besitze, immer wieder durch und komme erst allmählich hinter all die Feinheiten, die mir beim ersten und zweiten Lesen entgangen sind. Da ist kein Wort zuviel oder zuwenig; jedes hat seine Bedeutung. Die Ankunft eines neuen Heftes erwarte ich mit Ungeduld, und kann ich dasselbe jedermann nur sehr empfehlen.

Hochachtend

Peter Panter,
Schriftstellereibesitzer
mit elektrischem Betrieb.«

Unter dem Pseudonym Peter Panter im Jahr 1920

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