Geheimnis

Jüngst betraf mich ein Japaner,
und in des Gespräches Wellen,
als wir von Matrosen sprachen,
ließ er ein klein Wörtlein fallen:
„Skibi“.

„Was bedeutet das, Geehrter?“
fragt ich leicht und glatt und höflich.
„Nie noch hört ich diese Silben:
Skibi –?

Ists ein Laster? Ein Gesellschafts-
spiel? Kann man es konsumieren?
Tun Matrosen es? Mit wem wohl?
Skibi –?“

Der Japaner nickte höflich,
lächelte und schwieg. Und seitdem
hockt auf mir der Skibi-Wahnsinn.
Skibi! zwitschern alle Spatzen.
Skibi-skibi! gellt die Hupe.
Und die Stadtbahn-Wagenachsen
rattern: Skibi-skibi-skibi…!

Skibi! piept die Bodenmaus.
Und so sieht die Sonne aus:
skibiskibiskibiskibi
Traurig krauche ich durchs Leben.
Kann mir niemand Rettung geben?
Auf, nach Japan laßt mich fahren,
seekrank, heiß, mit Möwenscharen
wochenlang in Schiffsbewegung,
II. Klasse (mit Verpflegung) –
Und ich seh nicht Palästina,
Indien nicht an und China –
Bombay nicht und nicht Kalkutta,
in Port-Said die Kuppelmutter …
Ungegessen, ungeschlafen,
fahr ich.

Auf dem Quai im Japan-Hafen
spring ich auf den ersten Besten,
halt ihn an am Knopf der Westen –
schreiend frag ich:
„Was ist Skibi –?“

Der Japaner, kalten Blutes,
spricht: „Das fragt man nicht. Man tut es.
Skibi-skibi-skibi-skibi –!“

In die Heimat fährt ein Greis.
Stumm. Zerbrochen. Haar schlohweiß.
Geht ins Kloster als Trappist,
weil er nicht weiß, was Skibi ist.

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