Friedericus Rex

Fridericus Rex, unser König und Herr,
der rief uns noch einmal in das Kino daher.
Zweitausend Meter lang ist der ganze Quark –
und jeder Parkettplatz, der kostet sechzehn Mark.

»Ihr verfluchten Kerls!« sprach seine Majestät,
»dass jeder hier im Kino seinen Mann mir steht!«
Sie sitzen alle stramm und können nichts dafür
und freuen sich übern König und über Gebühr.

Wir sind doch eine alte Unteroffiziernation,
und wir brauchen unsre potsdorfer Prügeltradition.
Kotz Mohren, Blitz und Kreuz-Element,
wer den Tritt ins Gesäß bei der Ausbildung nicht kennt –!

Da fliegen hundert Beine im Parademarsch.
Und das kitzelt unsre Schenkel, und das juckt uns im Gehirn.
Die langen Kerls marschieren vorbei in zwei Reihn –
Wir wollen, wir wollen geprügelt sein!

Sieh hin, Lowise, wisch ab dein Gesicht!
Eine jede Kugel, die trifft ja nicht.
Die Kugeln sind alle von Eisen und Blei –
und er kannte nur den Dolchstoß und keine Partei.

Fridericus tut fragend auf der Leinwand gehn.
»Wo ist denn mein Nachfahr? – ich kann ihn gar nicht sehn.«
Wie du fuhr nach Holland dein gutes Enkelkind,
weil die Hohenzollern erblich belastet sind.

Fridericus, unser König, den der Lorbeerkranz ziert,
du wirst für eine kolossale Pleite plakatiert.
Dreh still dich im Grabe, verbirg dein Gesicht:
Sie haben deinen Krückstock.
Deinen Kopf haben sie nicht.

Unter dem Pseudonym Theobald Tiger im Jahr 1922

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