Erinnerung und Erfüllung

Ich denk an früher. Wie Lavendelduft,
ein wenig blass, ein wenig wie verschollen,
steigt ein Parfumchen auf von jenen ollen
und weggelegten Sachen – eine Gruft?
“Und leise spricht – wie waren wir doch jung –
der Leierkasten der Erinnerung.”

Ich denk an früher. Raschelnd schwankt der Kranz.
Wie war sie weiß! Wie spielten ihre Hände!
Wie war sie zart! Warum war es zu Ende?
Und langsam bildet sich ein matter Glanz…
Aus jenen Tagen, längst verglüht und fahl,
steht auf ein neues Bild: das Ideal!

Ich denk an früher. War sie denn so schön?
Mit jedem Monat wird sie voller, reicher –
und zierlicher, noch rassiger, noch weicher –
brandrot die Lippen, und ein Blick, amön…
Und sie entwickelt sich, und vor mir steht
Ein Zauberding von seltner Qualität:

Ich denk an früher. – War sie wirklich so?
Wie wärs gefährlich, wenn sie heut erschiene -!
Vielleicht ists eine Fee nur, der ich diene?
Nur Königin im Lande Nirgendwo?
Nun ist sie da –.
Und spricht. Mein Herzblut schäumt.
Und mehr als alles, was ich je geträumt. –

Auf diesen alten Büttenbogen,
so alt, dass ihn vielleicht, was weiß ich,
schon 1839
Großmama hat hervorgezogen,
schrieb ich für eine, dies Gedicht.
(Sonst hab ich keinen Bogen nicht.)

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