Die Reise nach dem Mond

Die pariser Wochenschrift Cyrano fragt: »Welche vierzig berühmten Franzosen würden Sie auf eine Reise nach dem Mond mitnehmen, und welche zwanzig würden Sie oben lassen?«
Anstandshalber kann ich an dieser Ausschreibung nicht teilnehmen. Preise … ? Ich habe mit perpetuierlichem Landesverrat mein gutes Auskommen – so habe ich erst jüngst an die französische Regierung eine vollständige Liste aller republikanischen Reichswehroffiziere verkauft, leider ist das Zettelchen verlorengegangen –; außerdem steht es mir nicht wohl an, den Franzosen im Mondschein zu begegnen.
Für deutsche Verhältnisse schlage ich die folgende Platzverteilung auf dem Mondschiff vor, wobei eine gewisse Rangordnung den heimischen Belangen entsprechen dürfte. Die einzelnen Gruppen sind in je einem Abteil untergebracht:

Literatur
Hedwig Courths-Mahler
Friedrich, August von Sachsen
Thomas Mann honoris causa
Alfred Holzbock gratis causa

Politik
Moritz Graf Reventlow
Rudolf Breitscheid
Georg Gothein
Der gleichfalls verstorbene Abgeordnete Kopsch

Militär
Stubenältester: Posten unbesetzt, Träger zur Zeit zur Republik abkommandiert
Stellvertreter: Seeckt
Leutnant du jour (et de la nuit): Wilhelm Oels
Stubendienst: Geßler

Theater
Herr Professor Robert
Herr Professor Saltenburg
Herr Professor Herrnfeld
Herr Professor James Klein
Gepäck in der Konkursmasse

Die Abfahrt des Mondschiffes gestaltete sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis erster Ordnung. Man bemerkte u. a. den chinesischen Gesandten sowie Klabund selbst; Frau Kathinka Oheimb, mit dem kleinen Otto; Herrn Wendriner; den Portier des Berliner Theaters, der infolge der ungewohnten Menschenansammlung einen Nervenschock erlitt; sowie den deutschen Schwergewichtsmeister Emil Jannings.
Als das Kommando »Los!« ertönte, blieb das Luftschiff stehen, da der Ballonmeister am Steuer der Demokratischen Partei angehörte und sich nicht entschließen konnte, nach rechts oder nach links zu fahren. Erst als die Schupobeamten weit zurückgetreten waren, wickelte sich der Verkehr glatt ab.
Die Installierung der Fahrtteilnehmer auf dem Trabanten scheiterte an dem einmütigen Widerstand der Mondbewohner.

Unter dem Pseudonym Kaspar Hauser im Jahr 1925