Die Orden

Louise, geh mal in die gute Stube
und mach dich an das braune Vertiko –
da liegt gleich oben in dem linken Schube
ein schwarzer Kasten – den bring hinter – so!
In dem sind alle, alle meine Orden,
die mir so sachtechen verliehen worden –
und voller Rührung seh ich alter Mann
mir meinen Kasten mit den Orden an.

Da ist zum Beispiel in der bunten Masse
– es hat sich, Frau, doch mit der Zeit summiert –
der gute Kronenorden vierter Klasse,
den hat mir mein Ressortchef angeschmiert.
Ich sollte ihn ja eigentlich nicht haben,
doch damals waren alle andern Knaben
auf Urlaub, und ich war grad in Berlin;
und, siehst du, Kindchen, so bekam ich ihn.

Und dieses Kreuz am weiß und schwarzen Bande
verlieh man mir in unserm großen Krieg.
Ich war nicht mit. Ich saß im Hinterlande
und feierte recht tüchtig jeden Sieg.
Ich hab doch aber schließlich nichts verbrochen
und war beim Chef und hab mit ihm gesprochen,
und der Erfolg war prompt und ganz enorm –
denn das gehört nun mal zur Uniform.

Und der – und dieser – und die hübschen Sterne!
Und hier das Kreuz – und dieses Glitzerstück –
Ich trug sie alle stolz und gar zu gerne…
nun lege ich sie traurig all zurück.
Ich kann die Monarchie doch nicht vergessen.
Ich hab sie mir erschoben und ersessen.
Die schöne Zeit! Man war doch schließlich wer.
Pack ein! Stell weg!
’s hat keinen Zweck!
Mich freut der ganze Dienstkram nun nicht mehr!

Unter dem Pseudonym Theobald Tiger