Die Objektiven

Wenn so fünf Männer Sonnabend abends
um einen runden Tisch herum
den Bierskat kloppen – und sie habens
auch niemals über (wegen dumm) –;
wenn sie von Politike brummeln,
im Maule die Zigarrenstummel,
von Hindenburg und Ludendorffen,
und wie wir fast Paris geworfen,
vom Präsidenten in der Stadt,
der keinen Bohrt wie Wilhelm hat;
wenn sie so zwischen As und Trümpfen
– (»Wer jibt?«) – auf Kommunisten schimpfen –
die Welt ist eine Kinderfibel,
das Morgenblatt ist ihre Bibel –;
wenn Lehmann ansagt: »Knautschke hats!« –:
Das nennt man einen Stammtischschwatz.

Doch wenn fünf Männer in Talaren
an einem langen Sitzungstisch
ein Menschenkind da im Verfahren
verknacken frisch und künstlerisch –
was sie als Studios schon forcierten,
geführt von ihren Erstchargierten;
was sie als Referendare lernten:
den Glauben an die reich Besternten;
was der Assessor, scheu geduckt,
dem Staatsanwalte abgeguckt –
wenn diese fünf bei den Prozessen
ihr ganzes Leben glatt vergessen,
weil Orgeschmann und Sozialist
für das Gericht dasselbe ist!
wenn da was fällt wie’n Donnerkeil –:
Das nennt man ein Gerichtsurteil.

Justitia! Ich wein bitterlich:
Du gehst auf einen langen –––––––

Unter dem Pseudonym Theobald Tiger im Jahr 1921

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