Der Portier

Der Portier hat einen Stehbauch und ist ein stattlicher Mann. Er war früher herrschaftlicher Diener oder Schutzmann. Er ist 1,80 Meter groß und hat, wenn er nicht glattrasiert ist, einen martialischen Schnurrbart. Der Portier kennt alle Leute des Hauses und grüßt sie morgens, wenn sie kommen. Er grüßt genau abgestuft: den Chef militärisch, straff und untergeben, mit einer Miene, die besagt: »Wir zwei beide gehören doch zusammen!« – die unterstellten nachgeordneten Direktoren sehr höflich und mit einer gewissen Anerkennung; die Prokuristen höflich; die gewöhnlichen Angestellten kurz, aber sachlich, die Lehrlinge gar nicht. Die Schreibmaschinendamen werden je nach der Hübschheit von ihm gegrüßt, dabei verklärt ein gewinnendes und väterliches Lächeln seine erhabenen Züge. Der Portier kennt sämtliche Kneipen der Umgegend sowie alle Chauffeure. Der Portier frühstückt in seiner Loge riesige Wurststullen; zu Mittag ißt er große Scheiben Rindfleisch und trinkt dazu aus einem riesigen Glase Bier. Wenn sein Schnurrbart vor Schaum trieft, und gerade jemand kommt, so zieht er gemächlich schlürfend den Schaum ein und geht majestätisch, um zu sehen, was es da draußen gibt.
Der Portier weiß genau, wann wer zu spät kommt. Dann sieht er den Übeltäter befehlshaberisch von oben bis unten an, so dass dem noch übler zumute wird, als ihm sowieso schon war. Der Portier hat nicht gern, wenn gewöhnliche Leute den Fahrstuhl benutzen. Der Portier ist immer im Betrieb, der Fahrstuhl nur, wenn er es wünscht. Der Fahrstuhl ist nur für den Portier und die Chefs da. Portiers sind ein unumgänglicher Schmuck der Fassade. Der Portier nimmt Trinkgelder im Schatten seines riesigen Bauches, stumm, höchstens nur leise einen Dank brummelnd, wie wenn eine feierliche Handlung, die sich von selbst versteht, vonstatten gegangen wäre.
Der Portier kommt sich unentbehrlich für den Fortgang des gesamten Betriebes vor.

Unter dem Pseudonym Peter Panter im Jahr 1924

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