Der Nachwuchs

In Dresden hat es an der technischen Hochschule zwischen den studentischen Korporationen und den Nichtinkorporierten einen Krach gegeben. Ein buntbemützter Junge hatte einen Norweger beleidigt und statt einer Duellforderung ein paar hinter die Ohren bekommen. Der Norweger wurde relegiert. Das Duell ist strafbar. »Ein Student dürfe einem anderen keinen Schlag mit der Hand zufügen.« Er hätte die Faust nehmen sollen. Ein junger korporierter Herr hatte die »Freistudenten« denunziert, weil sie ein sozialdemokratisch aufreizendes Plakat ausgehängt hätten. Richtig, das Fähnchen wurde konfisziert. Derart.
Dieser Zwiespalt klafft überall. Und es ist überall dasselbe: die Freistudenten unterliegen überall mit Recht. Sie sind feige. Sie sind in der Überzahl: aber diese wahrhaft Deutschen ziehen es vor, mannhaft zu versichern, dass ihnen nichts, aber auch nichts die freudige Mitarbeit am Bismarckkommers oder am Geburtstag des Kaisers verderben werde. Niemals haben sie den Burschen den Kram vor die Füße geworfen! Politik? Aber nein! Tendenz? Gott bewahre, Herr Universitätsrichter! Und der, ein alter Korpsstudent, tut das Seine.
Daß auf den Fotografien in der berliner Aula, bei Empfängen des Kaisers, die breiten Banner der Minorität paradieren – Gott segne sie! – Aber dass dahinter die ängstlichen Köpfe zukünftiger Richter, Oberlehrer, Beamter hervorgucken dürfen – das ist die deutsche Freistudentenschaft.
Von jedem Arbeiter könnten sie lernen.

Im Jahr 1913