Cauterets

Nun grade nicht.
Rings umragt von dunklen Bergen
Bin ich verpflichtet, überall philologischen Assoziationen nachzugehen und bei Flandern gleich den Grafen Egmont, bei Granada das Nachtlager …
Die sich trotzig übergipfeln
und bei Roncevaux das ›Rolandslied‹ zu zitieren? Ich will aber nicht. Im Grunde will ja der Hörer auch nicht.
Und von wilden Wasserstürzen,
Eingelullet wie ein Traumbild,
Es schmeichelt ihn nur, dem Schreiber um eine Nase vorausgewesen zu sein und es gleich gewußt zu haben, denn man ist ja unter gebildeten Menschen. Wenn also von Cauterets die Rede ist, so hat zu erfolgen:
Liegt im Tal das elegante
Cauterets …
Aber entweder sie kennen den ›Atta Troll‹ genau, und dann ist das Zitat nicht nötig – oder sie besinnen sich nicht gut auf ihn, und dann hat es keinen Zweck. Besser wäre, die Reisebriefe Heines wären bekannter als sie sind, auch die aus den Pyrenäen, und alle seine Berichte aus Paris, in denen er sich als einen Jahrhundertkerl seltnen Formats, als einen Propheten und als einen Allesüberschauer zeigt. (»Man müßte wirklich mal abends den Heine wieder heraussuchen … !« Ja, man müßte wirklich einmal.)
So elegant ist Cauterets auch gar nicht. Hier ist das ›Heptameron‹ der Königin von Navarra geboren – aber auch das kann uns nicht trösten. Cauterets liegt in einem engen Tal. Enge Täler … das drückt leise auf die Seele, man fühlt sich ein bißchen zu gut geborgen, das schwere dunkle Grün der Wälder lastet, klettert langsam den Berg hinan, man sieht ihm nach. Wie ein Gitter stehen die Stämme.
Die Kurkapelle spielt einen dünnen Walzer, die Gurgler gurgeln, die Bresthaften baden sich, die Stubenmädchen stehen zusammen und beraten, wer von wem das nächste Kind bekommen wird. Von mir nicht. Auf und davon –!

Unter dem Pseudonym Peter Panter im Jahr 1927

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