Bühnenluft

Das ist beileibe kein Romantitel. (Aber man sieht ordentlich die Umschlagzeichnung: ein eleganter Herr mit kleinem Bärtchen begutachtet aus der Loge die Primadonna, die sich gerade produziert … )
Nein, ich meine wirklich die Luft, die einem entgegenweht, wenn der Vorhang eine Minute oben ist. Dann haucht das große Bühnenloch eine kühle Wolke von Staub, Leim und Holzgeruch aus, die ein empfindsames Parkett in schauerndes Entzücken versetzt. Bühnenluft … Dann mag man sich wohl ausdenken, wie es hinter der Szene gerade zugeht, wie der Regisseur gehetzt herumläuft, der Held auf sein Stichwort wartet, alle ein bißchen erregt sind. Puh – macht man, und atmet beseligt die vertraute Luft ein, den nicht sehr gesunden Brodem aus Staub, Leim und Holzgeruch. Mag es sich um eine Waldlandschaft, um eine Straße handeln, mag der Regisseur bemüht sein, uns einen Palastkorridor vorzutäuschen: immer ist der Geruch der gleiche.
Wir nicken uns in den Sesseln zurecht, die erste Unruhe hat sich gelegt, die Akteure sind jetzt klar verständlich –. Das Spiel beginnt.

Unter dem Pseudonym Peter Panter im Jahr 1913