An Philipp Scheidemann

Wir haben dich hier öfters angepfiffen
von wegen deiner leicht verdorrten Hand.
Doch nun ein feiger Lump dich angegriffen,
hat sich das Blättchen jäh für dich gewandt.
Wenn einer Gift spritzt aus dem Schießklistier:
dann, Philipp, stehn wir alle hinter dir!

Was wollte denn der nationale Affe?
Versailles rächen? Bist du General?
Für ihn war das Klistier die einzige Waffe
aus seinem reichen Geistes-Arsenal.
Denn was ein richtiger, tapfrer, teutscher Mann,
der fängt ein jedes Ding von hinten an.

Und hat wer irgend etwas zu riskieren?
Vom Sipo bis herab zum Staatsanwalt
wird solchen Mörder keiner arretieren –
sie hören nichts, wenn es in Griesbach knallt…
Durch die Provinzen hallt ein einziger Schrei:
»Wie schade, schade – diesmal gings vorbei!«

Von Liebknecht bis zu dir heut.
So verworfen
wie solche Mörder ist nur noch ein Stand.
Nimm an, es schießt mal wer auf Ludendorffen:
Was, meinst du wohl, blüht dem in unserm Land –?
»Die Republik fängt an, mir lächerlich zu werden!«
Erhol dich, Philipp! Leb noch lang auf Erden!

Im Jahr 1922

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