Abreißkalender und kleine Bitte

Unter den dreihundertundfünfundsechzig Abreißkalendern, die nun auf uns herniederrascheln, empfehle ich den »Arbeiter-Kalender 1931« (erschienen im Verlag Carl Hoym, Hamburg-Berlin).
Auch wer kein Arbeiter ist, kann sich den hinhängen. Man soll nicht den Proletarier mimen, wenn man es nicht ist; hier haben sie aber unser aller Sache – alle drei Tage ein Blatt – abgebildet. Gute Tendenz-Fotos, geschickt gemacht, frech, aggressiv und einprägsam. Auf der Rückseite jedes Blattes immer ein höchst lehrreiches Zitat – in kleinen Dosen ist solche Information wenig zeitraubend, man liest das, und man hat etwas davon. Ein guter Kalender.
Mit dessen Anpreisung eine kleine Bitte verbunden sei.
Ich weiß, dass es vielen unsrer Leser, die nicht unter den Millionären zu suchen sind, wirtschaftlich nicht gut geht. Es sind auch gewiß Arbeitslose darunter – und die sind von dieser Bitte natürlich ausgenommen. So schlecht wiederum geht es von den andern keinem, dass er nicht zum Jahresschluß, ohne Rührseligkeit, aber mit kräftigem Herzen, etwas Gutes tun kann.
Ich bin kein Vereinsmensch und mag mich nicht in Dinge mischen, die mich nichts angehn. Wer also bereits eine Hilfs-Institution kennt, die er für gut und sicher hält – der gebe ihr. Wer dergleichen aber nicht kennt, dem kann ich einen Ratschlag geben. Ich gehe mit dem Teller herum und schäme mich nicht. Ihr habt manche Anregung bei uns empfangen, manche Freude und manchen Auftrieb, und ihr habt manchmal, und hoffentlich immer auf Kosten unsrer Gegner, gelacht. Dankbar? Seid nicht uns dankbar.
Die Postschecknummer der Roten Hilfe heißt Berlin 109676. Viele Wenig machen ein Viel.

Im Jahr 1930

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